Mittwoch, 4. März 2009

Puzzle

Manchmal gleicht die Politik einem Puzzle. In der Tagesschau wird erzählt, dass Krankenkassen Einsicht in die Krankengeschichten haben, ohne dass die Patientinnen dies wissen. Dafür haben die Spitäler mit den Krankenkassen Verträge abgeschlossen. Eigentlich bezahlen wir die Krankenkassen, damit sie die Spitäler bezahlen, nicht damit sie uns bis auf die Unterhosen ausziehen (Datentechnisch gesehen). Nun gut. Abends dann im Club nochmals die Aufarbeitung des Falles Entlisberg. Das Personal verbringt immer mehr Zeit mit Erfassen statt mit Behandeln, dies auf Druck der Krankenkassen. Die notabene auch wieder Einsicht in die Akten in den Pflegeheimen haben. Der Sprecher der Santésuisse meinte dazu salopp: Man könne ja auch mit dem gesunden Menschenverstand arbeiten, da brauche es doch keine Rechtsgrundlagen.
Ich will nicht, dass irgendein Fallmanager, den ich nicht kenne, der nicht an meiner Gesundheit, sondern nur an meinen Kosten interessiert ist, sich an meine Daten heranmacht. Meine Daten sind mindestens so wichtig wie das Bankgeheimnis!
Fertig gepuzzlet!

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acqua - 4. Mär, 19:49

Den Satz mit dem gesunden Menschenverstand habe ich auch gehört. Der ist fast schon unglaublich! Wenn ich Angestellte hätte und diese Angestellten solch gefährlichen Unsinn von sich geben würden, wären sie nicht mehr lange meine Angestellten.

Pia Fankhauser - 5. Mär, 12:03

Vielleicht ist sein Menschenverstand einfach nicht gesund? Entlassung als Medikament? Und wo treibt der Herr danach sein Unwesen? UBS vielleicht...aber dafür ist er ja zu jung
Leidi (Gast) - 5. Mär, 09:03

Santéwillkür

Santésuisse hat einen Auftrag des Gesetzgebers! Wenn der Sprecher dieser Santésuisse sich um Gesetzesgrundlagen foutiert, hat er seinen Auftrag nicht verstanden. So geht es in Bananenrepubliken, so hat auch die UBS in den USA gehandelt. Und so was wollen wir, wir die Versicherten, nicht zulassen. Jetzt sind der Gesetztesgeber und seine Aufsichtsorganen gefordert: Parlamentsmitglieder: Übernehmen Sie

Pia Fankhauser - 5. Mär, 12:08

Das gefällt mir: Parlamentsmitglieder - übernehmen Sie! Schade, dass diese nicht den Blog lesen. Aber es ist doch wahr: wir durften vor einigen Jahren alle unsere Identitäten bei den Postschaltern bestätigen, weil die USA das aus unerfindlichen Gründen so wollten. Da haben wir unsere Konti also deklariert. Jetzt wo es aber um grosse Vermögen geht, wird ein Tamtam um das Bankgeheimnis gemacht. Welche Krankheiten wir haben, dürfen dafür dann aber auch wieder viele wissen. Wissen ist Macht!
diefrogg (Gast) - 5. Mär, 19:16

Es überrascht mich,

liebe Pia, dass Du dich so über dieses Identifizier-Spiel am Postschalter ereiferst. Das war eine Folge des Geldwäscherei-Gesetzes. Und das war ja im Grunde keine schlechte Sache!

Pia Fankhauser - 6. Mär, 10:40

?

Die meisten Betroffenen hatten ja nur kleine Beträge auf ihrem Konto. Wo also ist da die Geldwäscherei? Und während wir uns rechtfertigen mussten, wenn mal ein grösserer Betrag verschoben wurde (habe ich erlebt), wurden Milliarden in Hedge Funds verschoben. Das fanden wir dann aber toll? Es gibt eine Meldestelle für Geldwäscherei, das ist schon gut. Aber alles bitte mit Augenmass. Ja, ich weiss, dass das alles nichts miteinander zu tun hat. Ausser mit dem Geld. Und wohin es fliesst oder fliessen sollte.
diefrogg - 6. Mär, 11:54

Sorry, falls das...

ein bisschen grob herübergekommen ist! Ich konnte mir den Kommentar nicht verkneifen, war aber in Eile. Wie das damals war, kann ich selber nicht beurteilen, weil ich damals noch kein Geld hatte (schon gar kein grösseren Summen). Ich kenne die Story nur aus den Schilderungen meiner Mutter, die an einem Schalter mit Geldverkehr arbeitete. Die hat jeweils viel von ausflippenden Kunden erzählt, die jedesmal ihren Ausweis kopieren mussten, wenn sie Geld einzahlten. Verständlich! Sollte es aber dazu beigetragen haben, dass weniger Schwarzgeld und derartiges auf Schweizer Konten floss, dann können wir ja froh sein. Auch bin mit vielem nicht glücklich, was den Fluss des Geldes betrifft. Also: No offence meant!
Pia Fankhauser - 6. Mär, 19:57

Isch scho guet

Mich hat das damals halt aufgeregt. Das ganze Dorf (so hatte man den Eindruck) musste auf die Post um seine Papiere vorzuweisen. Hats geholfen? Ich weiss es nicht. Gibts da eine Studie drüber? Und ich bin übrigens nicht so empfindlich. In der Politik würde frau es schon gar nicht aushalten ;-)
die frogg (Gast) - 7. Mär, 13:30

Ob es Studien gibt,

weiss ich nicht. Ich habe vorhin extra noch schnell gegoggelt, aber so auf den ersten Blick nichts gefunden. Kein Wunder: Wir haben ein Bankgeheimnis! Ziel war sicher, die Nummernkonti abzuschaffen, auf denen jeder einfach so schmutzige Millionen deponieren konnte. Ich habe kürzlich Bekannte, die im Finanzwesen tätig sind, gefragt, ob man dieses Gesetz im Internet-Zeitalter noch aufrecht erhalten könne. Man sagte mir, wenn jemand aussergewöhnlich hohe Summen transferiere, erhalte er einen Anruf von der Bank. Nun ja... Es ist ein heikles Thema. Ich habe mich kürzlich in meinem Blog dazu geäussert und eine sehr zermürbenden Streit gehabt. Deshalb meine Vorsicht. Wenn man im Newsgeschäft ist, hat man derzeit ganz schön blanke Nerven beim Thema Bankgeheimnis, das kannst Du mir glauben!

Pia Fankhauser - 8. Mär, 12:26

Glaub ich dir

gerne. Die Gretchenfrage ist ja: hängt der Wohlstand und das Wohlergehen aller am Bankgeheimnis? Für mich gibt es da zwei Sichtweisen:
1. Diejenige der Kontoinhaberinnen. Ich habe kein Interesse daran, dass meine Bankdaten in der Welt herumfahren. Dafür gibts die Verrechnungssteuer, die soll mich dazu locken, mein Vermögen zu deklarieren. Warum diese nicht erhöhen? Dann aber für alle!
2. Diejenige der Finanzstrategen. Offenbar wurde das Bankgeheimnis dazu missbraucht, Vermögen der Steuer anderer Länder zu "entführen". Unser Finanzplatz hat gut davon gelebt. Sozial ist das aber nicht, zumindest nicht für diese Länder. Dass die USA jetzt dringend Geld brauchen, wissen wir. Nehme mal an, dass diese Kontoinhaber auch ihren Ausweis zeigen mussten bei der Kontoeröffnung(?). Wieso nicht eine Steuerdeklarationssteuer einrichten, die bei Beweis der erfolgten Deklaration zurückbezahlt wird? Könnte man doch anbieten. Damit blieben das Bankgeheimnis bestehen aber das Interesse an der Deklaration würde erhöht.

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